(Über) ein Jahr ohne Kaffee… Es lebe der Tee!

In diesem Beitrag erzähle ich, wie und warum ich dem Kaffee entsagt habe, schließlich zur überzeugten Teetante wurde und warum alle Menschen zu Teetanten und -onkels werden sollten.

Ende August letzten Jahres war es soweit – ich hatte mein Ziel, ein Jahr lang keinen Kaffee mehr zu trinken, erreicht.

Eigentlich verzichte ich ungern radikal auf gewisse Dinge und bin auch eher nicht der Typ für Aktionen wie diese. Anstatt ein von Anfang an bewusst gesetztes und vorher lang und breit reflektiertes Ziel zu verfolgen, war es eher ein spontaner Entschluss, den ich dann einfach weitergeführt habe, weil es sich (fast) von Beginn an gut angefühlt hat.

Vorweg genommen sei eines: Ich trinke seither stattdessen Tee. Grün, weiß, Oolong, manchmal schwarz, selten Pu Er oder rot.

Was Kaffee im Körper bewirkt

Keine Frage, Kaffee in seinen vielen, leckeren Varianten ist ein Genuss, der bereits beim Geruch frisch gerösteter Bohnen beginnt, und es war einige Male durchaus hart für mich, zu widerstehen.

In der richtigen Menge getrunken gibt das darin enthaltene Koffein außerdem einen Energiekick, hebt den Blutdruck leicht an, macht wacher und steigert die Konzentrationsfähigkeit. Dem Stoffwechsel wird eingeheizt. Man schreibt dem Kaffee außerdem zu, dass er das Risiko für kardiovaskuläre Krankheiten und sogar Diabetes senkt.

Ich kann mich noch gut dran erinnern, wie mein Hausarzt – ein großer Kaffeefan – mir begeistert eine Statistik zeigte, der zu folge das Risiko, an einem Herzinfarkt zu sterben, bei Menschen, die vier bis fünf Tassen Kaffee am Tag konsumieren, am niedrigsten sei.

Was er dabei unter den Tisch fallen ließ, waren Nebenwirkungen wie Übelkeit und Übersäuerung, auf Dauer ein höheres Osteoporoserisiko und allem voran Ruhelosigkeit, Nervosität und Schlafprobleme.

Die meisten Kaffeetrinker wissen, dass sie relativ bald die Menge etwas erhöhen müssen, wenn sie die mit Wachheit verbundenen Effekte deutlich spüren wollen. Der Gewöhnungseffekt beruht darauf, dass die Anzahl an Rezeptoren, an die das Koffein im Gehirn andocken kann, zunimmt, und geht so weit, dass viele Menschen erst einmal eine Tasse Kaffee brauchen, um morgens nach dem Aufstehen überhaupt geradeaus schauen zu können.

Pimp my hamster

Wir kommen dann schnell in eine Spirale, in der wir immer mehr Kaffee trinken, als „Patch“ für unsere Müdigkeit, der in seiner Wirkung erst stark ist und dann dafür stark nachlässt (ich nenne es das „Koffeinloch“), und das größte Problem, das ich bei mir selbst und auch Freunden beobachtet habe, ist, dass wir unsere energetischen Grenzen dabei häufig übergehen, und meist, ohne es zunächst zu merken.

So gelangen wir an einen Punkt, an dem der Kaffee nur noch unseren inneren Hamster anpeitscht, damit dieser auch möglichst schnell in seinem Rad rennen kann. Gepaart mit der Tatsache, dass das Koffein im schwarzen Wachmacher auch dazu führt, dass sich der Herzschlag erhöht und potenziell Angstzustände verstärken kann, kann dies dazu führen, dass der Hamster sich in seinem Hamsterrad irgendwann überschlägt – kurzum: Wir landen in einem burnout-ähnlichen Zustand. Die Anzeichen dafür, dass wir unsere Grenzen weit überschritten haben, wie große Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und mangelnden Antrieb, konnten wir dank dem Wundertrank geflissentlich ignorieren bzw. zunächst ausschalten.

Tee – der unterschätzte kleine Bruder

Da ich in den Ferien sowieso etwas runterkommen wollte, weil ich festgestellt habe, dass mir Kaffee gar nicht schmeckt und ich ihn nur wegen seiner Wirkung trinke und er mir ab und an auf den Magen schlug, habe ich es schlussendlich einfach für eine Zeit lang ganz gelassen mit dem Kaffeetrinken. Die ersten Tage „cold turkey“ Koffeinentzug waren ganz klassisch mit Kopfschmerzen und Müdigkeit verbunden, da ich aber nicht arbeiten musste, habe ich es einfach mal über mich ergehen lassen.

Von Tee war ich nicht sofort begeistert, da ich früher bereits die Erfahrung gemacht habe, dass grüner Tee irgendwie bitter schmeckt. Das liegt daran, dass ich ihn immer falsch zubereitet habe! Man muss wirklich darauf achten, dass das Wasser deutlich unter 100 Grad hat. Die ideale Temperatur schwankt leicht von Teesorte zu Teesorte. Wichtig ist außerdem die Ziehzeit: Will man vor allem die anregende Wirkung spüren, sollte diese möglichst kurz sein. Nach ca. einer Minute fische ich meine Teeblätter in ihrem Sieb also schon wieder aus dem Sud, der dann schon eine leichte gelblich-goldene (meist eher nicht grüne, wie man meinen möchte) Färbung hat – so wie es sein soll – und ganz und gar nicht bitter schmeckt!

Wer sich übrigens Sorgen macht, der Zeit, in der er mit gleichgesinnten Kaffeeliebhabern über die Herkunft von Bohnen, den Grad der Röstung und den Wasserdruck beim Kochen von Espresso leidenschaftlich fachsimpeln konnte, hinterher zu trauern, dem sei versichert: Die Welt des Tees ist mindestens ebenso bunt und spannend, was Herkunft, Sorten und Zubereitung angeht! Es war ein Moment der Erleuchtung für mich, als ich zum ersten Mal dahinter gestiegen bin, dass weißer, grüner, Oolong, schwarzer Tee usw. alle von der gleichen Pflanze abstammen. Die Unterschiede liegen vor allem in ausgeklügelten Prozessen der Röstung oder bzw. und Fermentation der Blätter und im Zeitpunkt, wann diese überhaupt und von welcher Stelle gepflückt werden. Sehr spannend!

Auch Tee soll vor Diabetes und kardiovaskulären Erkrankungen schützen. Statistisch betrachtet leben Teetrinker länger und leiden auch seltener an neurodegenerativen Krankheiten wie MS, Alzheimer oder Parkinson.

Was macht Tee angenehmer als Kaffee?

Einer japanischen Legende zu Folge soll ein buddhistischer Mönch so frustriert gewesen sein, weil er bei der Meditation immer wieder einschlief, dass er sich die Augenlider abschnitt. Als er diese vor sich zu Boden warf, wuchsen dort zwei Teesträucher. Als er davon kostete, wurde er so wach und konzentriert, dass er wieder stundenlang meditieren konnte.

Wie erklärt sich die Wirkung von Tee? Bereitet man Tee wie weiter oben geschildert zu, so enthält er ca. die Hälfte an dem im Kaffee enthaltenen Koffein. Die anregende Wirkung von Tee spürt man wahrscheinlich erst dann wirklich, wenn man dem eigenen Körper Zeit gegeben hat, die vielen Koffeinrezeptoren wieder abzubauen.

Ist das mal passiert, so macht auch Tee wacher. Mit einem riesigen, nicht zu unterschätzenden Vorteil: Während die Kurve der anregenden Wirkung beim Kaffee eher steil nach oben geht und dann wieder stark abfällt und man Nachschub braucht, ist die Wirkung des Teeins im Tee sanfter und stetiger und man spürt daher keinen extremen Powerschub auf der einen und keinen Abfall desgleichen auf der anderen Seite. Auch die Nervosität, die oft mit Kaffeegenuss einher geht, spüren, so gehe ich einfach mal davon aus, Teetrinker selten bis nie.

Der Grund dafür ist eine Aminosäure mit dem Namen L-Theanin, die vor allem in grünem und schwarzem Tee enthalten ist. Dieser Stoff führt in Kombination mit den anderen, im Tee enthaltenen Stoffe, wie dem Koffein und den Catechinen, zu einem leicht veränderten Neurotransmitterverhältnis im Gehirn, was an erhöhter Konzentrationsfähigkeit gespürt und an Hirnströmen, die nach Teegenuss im Vergleich zum vorherigen Zeitpunkt eher im Alpha- und Deltabereich liegen, gemessen werden kann. L-Theanin isoliert einzunehmen, ist Studien zu Folge scheinbar wenig vielversprechend. Das Gesamtpaket mit einer Kombination einer Reihe an Stoffen, wie sie im Tee enthalten sind, ist ausschlaggebend, um das durch Tee ausgelöste, wohlige Gefühl entspannter Wachheit zu erleben.

Kaiser Shen Nung (2737 bis 2697 vor Christus) traf den Nagel bereits auf den Kopf:

„Der Tee weckt den guten Geist und die weisen Gedanken.
Er erfrischt deinen Körper und beruhigt dein Gemüt.
Bist du niedergeschlagen, so wird Tee dich ermutigen.“

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